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analoges HiFi

Einleitung



1908

Die Geschichte der Firma ELECTROACUSTIC (ELAC) GmbH beginnt inoffiziell schon 1908, als eine Gruppe von Wissenschaftlern mit dem Spezialgebiet der Schallausbreitung im Wasser die Forschung schuf, die die Voraussetzung für die Gründung der ELAC und Ihrem Betreiben, elektroakustische Anlagen für den Einsatz unter Wasser herzustellen, war.

Am 15. April 1908 begann Dr. Heinrich Hecht seine Arbeit in Kiel auf dem Gebiet der Wasserschalltechnik.

ELAC entwickelte und stellte danach Produkte primär für die Marine her. Mit Ausnahme von 5 Jahren nach dem 2.Weltkrieg wurde permanent an der Weiterentwicklung der Systeme für das maritime Umfeld gearbeitet. Ab 1950 geschah dies für kommerzielle Anwendungen wie die berühmte "Fischlupe" - weltweit das erste kommerzielle Fischereiecholot.

Später folgte eine Fülle von Produkten nicht nur für die Fischerei, sondern auch für Navigation und hydrographische Vermessung sowie die mir am Herzen liegenden Plattenspieler und Tonabnehmer-Systeme.

1911

gründeten Neufeld & Kuhnke eine Unternehmenstochter, die Signalgesellschaft GmbH, mit Dr. Hecht, Dr.Wilhelm Rudolph, Walter Hahnemann und Gerhard Schmidt an der Spitze.

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1926

Nach den Wirren des ersten Weltkrieges gründeten die Gesellschafter Dr. Hecht, Gerhard Schmidt und Dr. Rudolph am 1. September 1926  die ELECTROACUSTIC GmbH.

"Die allmählich entstehende führende Rolle der ELECTROACUSTIC auf dem Gebiet der Echolottechnik und des Signal- und Horchwesens (...) bringen Aufträge aus aller Welt (...)


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Techniker und Kaufleute der ELECTROACUSTIC (...) arbeiten auf allen Kontinenten." (aus: Jubiläumsschrift zum 50jährigen Bestehen der ELECTROACUSTIC GmbH, S.12)

Eines der Spitzenprodukte ELACs war das "Elektrolot", eine Art Minibombe, die, sobald sie den Boden erreichte, explodierte. Die sich dadurch ausbreitenden Schallwellen wurden mittels Mikrophon empfangen und vermessen.

1940 bis 1945

Die 1926 gegründete ELECTROACUSTIC war im Melde-, Signal- und Elektrobereich tätig gewesen. Vorwiegend lieferte sie Echolotanlagen für Schiffe, aber auch Höhenmesser für Flugzeuge und Horchgeräte. Da diese Produktion ebenfalls militärische Bedeutung hatte, expandierte das Unternehmen während der Zeit des Nationalsozialismus. Auf Staatskosten wurden zwischen 1940 und 1944 in zwei Bauabschnitten Werkserweiterungen vorgenommen. Die neuen Gebäude gehörten dem Deutschen Reich, der Grund und Boden teils der ELAC, teils der Stadt Kiel.

Während des Krieges zählte die ELAC 4139 Beschäftigete und wurde in die Rüstungsindustrie des Nationalsozailismus voll eingebunden. Zu dieser Zeit wurden vor allem feinmechanisches Kriegsgerät sowie Zündeinrichtungen und Nachrichtengeräte produziert.

Auch die Zwangsarbeit zählt zu einem der Kapitel der Geschichte Kiels, aus dem die ELAC, als in Kiel ansässiger relevanter Betrieb, nicht ausgeschlossen war. Zu Kriegszeiten zählten bis zu 771 "Fremdarbeiter" zur Belegschaft. (aus: Rolf Schwarz, in: Schwarz/Hoch (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit)

Mit freundlicher Erlaubnis von Karina Dreyer, aus Kieler Nachrichten:



Erstaunlich war, dass in der 1945 zu fast 80% zerstörten Stadt die ELAC nur wenig Schäden zu verzeichnen hatte. Am meisten betroffen waren die Gebäude 17 und 30 an der verlängerten Olshausenstraße in Kiel Nord, die heute zur Christian Albrechts Universität zu Kiel gehören (s.u.).

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1945 Die Jahre des Aufbaus

Die britische Militärregierung war natürlich an dem Rüstungsbetrieb interessiert. Die Produktion musste in den Werkserweiterungen I und II, in denen für den Krieg gearbeitet worden war, sofort eingestellt werden, bis die Fabrikanlagen ab 1. Juli 1945 bis auf Weiteres geschlossen und für Reparationszwecke gemeldet wurden.




Das Stammwerk der ELAC bekam jedoch schon 1945 die Erlaubnis, im zivilen Bereich (so z.B. für die Herstellung von Haushaltsgeräten) weiterzuarbeiten.


Ein weiterer glücklicher Umstand bewahrte die ELAC vor der Demontage: Der Beschluss, die Gebäude als Unterbringung für die Kieler Christian-Albrechts-Universität zu nutzen.


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1/20 der früheren Belegschaft (1944: 5.000) beschäftigt sich wieder mit der Unterwasserschalltechnik und sichert mit Haushalts- und Alltagsgebrauchs-Produkten wie Nähmaschinen, Luftpumpen und Autozubehör das Überleben.


Im "High-tech-Bereich" entstand im Laufe der frühen Nachkriegszeit die sogenannte "Fischlupe", ein Echolot für die Erkennung von Fischschwärmen. Bis heute wird sie selbstverständlich in weiterentwickelter Form weltweit in der Berufs- und Freizeitfischerei verwendet.

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Später entstanden dann noch Horizontallote, Echographen zur Aufzeichnung von Bodenreliefs, Netzsonden und Fächerlote für die Meereskundliche Erforschung. Das erste Fächerlot für den hydrographischen Einsatz wurde auf der "Poseidon", einem Forschungsschiff des Geomar Institus für Meeereskunde eingesetzt.


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Die Entwicklung dieser Unterwasserschalltechnik wird auch heute noch unter dem Namen ELAC weiterentwickelt. Sie zählt zu einem wichtigen Stück Physik- und zugleich auch Kieler Geschichte.

 

ELAC als Universitätsunterbringung (1945/46)

Der Direktor und Mitbegründer der ELAC, Dr. Heinrich Hecht, befürchtete, dass die Gebäude der Werkserweiterung I und II am Westring/Olshausenstraße in Kiel durch die Briten gesprengt würden. Konnten diese Teile der Fabrik nicht als Standort für die Universität genutzt werden? Ebenso dachte Dr.Werner Kroebel von der benachbarten HAGENUK.

Richtungsgebend wurde der Geographie-Professor Dr. Karl Gripp, der von den Briten früh aus der Gefangenschaft entlassen und beauftragt worden war, eine geographische Forschungsstelle einzurichten, um schleswig -holsteinisches Kartenmaterial herzustellen. Sein Arbeitsplatz war in der ELAC. Auch Prof. Gripp erkannte die Möglichkeit, in diesen alten Gebäuden die Hochschule neu aufzubauen. Er versuchte den Rektor der Universität, Professor Dr. Gerhard Creutzfelt, und vor allem die britische Militärregierung von seiner Idee zu überzeugen, und hatte Erfolg. Die Sprengung von Teilen der Fabrik unterblieb.

Am 10. Juli 1945 wurde das Gelände der Werkserweiterung I und II von Vertretern des Landes Schleswig-Holstein, der Stadt Kiel und der Universität begutachtet und beschlossen, die Militärregierung zu bitten, die dreizehn Gebäude des Areals der Universität Kiel zu überlassen.

Die britische Regierung in London und in der Folge die Militärregierung in der britischen Besatzungszone waren sehr am Aufbau einer reibungslosen Infrastruktur interessiert, und setzten sich das Ziel, die Universitäten und Hochschulen in ihrer Zone zum Wintersemester 1945/46 wieder zu eröffnen, denn man brauchte neue, d.h. demokratisch geschulte Lehrer, Juristen, Mediziner und Wirtschaftsfachleute ohne indoktrinierte Nazivergangenheit.

So wurden die reichseigenen ELAC-Gebäude für die Universität freigegeben. Das Preußische Staatshochbauamt erstellte daraufhin im Auftrage des Oberpräsidenten Dr. Otto Hoevermann als Kurator der Universität einen Plan für die notwendigen Reparaturen und Einrichtungen in der ELAC.


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Im September 1945 begannen die Arbeiten an den Fabrikgebäuden. Zunächst mussten die Maschinen und ein gelagerten Rohstoffe entfernt, dann die Häuser winterfest gemacht und die Versorgungseinrichtungen repariert werden. Erst dann konnten die Umbauten beginnen, die das Fabrikgelände in eine Stätte der Forschung und Lehre verwandeln sollten. Diese Maßnahmen konnten aber erst frühstens im Wintersemester in Angriff genommen werden. Daher verlangte die Militärregierung Informationen darüber, wo der Lehrbetrieb bis zur Fertigstellung des ELAC-Geländes stattfinden sollte.

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1948

1948 kommen alle Siemens-Rundfunkgeräte aus Kiel. Die ELECTROACUSTIC beginnt wieder zu leben :

1948 ist nicht nur das Jahr der neuen Währung, es ist zugleich das richtungsweisende Jahr für den zukünftigen Weg der ELAC.

Am 14. Dezember 1948 ist der erste Plattenspieler fertig. Und bereits nach einem Jahr sind 5.600 Plattenwechsler der Marke ELAC produziert worden.



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Die ersten von zukünftigen 4 Millionen Plattenspielern, die ELAC im Laufe seiner Großserienfertigung produzierte.

Die Schallübertragung wird perfektioniert:
Schon Ende 1945 stellen die Kieler sogenannte Seignette-Salz-Kristalle in großer Reinheit selbst her. Der erste Kristall-Tonabnehmer "KST 1" mit einschraubbarer Saphirnadel, auf einem Träger aus Elektron, kommt mit nur 270 mN Auflagekraft aus (Vergleichbarer Standard jener Tage: 600 b is 1200 mN.).




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1956

 


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1956 ist die Kieler ELAC die erste Adresse bei Plattenspielern. Den gesamten Weltmarkt teilen sich drei deutsche Firmen: Dual, ELAC und Perpetuum Ebner mit 90% Marktanteil.

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1957

Zeitgleich mit der Plattenspielerproduktion werden bei ELAC, basierend auf den bisherigen Erfahrungen der Schallübertragung, auch neuartige und eigenständige Tonabnehmer entwickelt.

Am 30. Oktober 1957 wird der "elektromagnetische Tonabnehmer zur Abtastung von Zweikomponentenschallschrift" zum Patent angemeldet. Das Patent mit der Nummer 1105628 wurde Wegbereiter für die gesamte Schallplattenwiedergabetechnik und begründet den Ruf der Kieler ELAC als führender Tonabnehmer-Spezialist.


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Weltweit wurden Lizenzen an namhafte tonabnehmerproduzierende Firmen wie z.B. Shure erteilt.

Dieses erste Magnettonabnehmerpatent und weitere Folgepatente begründeten das Prinzip der Tonabnehmer, das man heute unter "Moving-Magnet-Systemen", schlicht MM-Systeme genannt, versteht.

 

1967

1967 schon konnten ELAC-HiFi-Magnettonabnehmer mit Auflagekräften unter 10 mN betrieben werden. Hand in Hand wurden mit immer feiner entwickelten Tonabnehmern, die von Generation zu Generation höhere Abtastpräzision erlaubten, die Plattenwechsler weiter vervollkommnet.




Trotz steigender Umsätze zeigen sich in den Siebziger Jahren schon wieder düstere Wolken am ELAC-Horizont.


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1978

1978 schließlich kommt es zum Firmen-GAU. Die ELAC wird in zwei Teile geteilt: Den Nautik-Bereich übernimmt das weltbekannte Unternehmen Honeywell. Aus dem Phonobereich geht die ELAC Ingenieurtechnik hervor.

Mit einem gestrafften Programm und deutlich reduziertem Mitarbeiterstab wird weiter-gemacht. Man konzentriert sich auf andere Unternehmensbereiche wie z.B. Industrieroboter.



Dies ist der alte Eingang auf das Gelände der ELAC

Dies ist der alte Eingang vom Westring auf das Gelände der ELAC .

Nach der Insolvenz zog die Hagenuk in das Gebäude am Westring (die ihrerseits 2001 insolvent die Werkstore in Kiel endgültig schloss).


1981

Am 8. Juli 1981 übernimmt die Marketing- und Vertriebs-Firma John & Partner die Vertriebsaktivitäten der ELAC-HiFi-Produkte.

Zwei Monate später wird auf der Berliner Funkausstellung das erste Tonabnehmersystem mit van-den-Hul-II-Nadelschliff, das ESG 796H vorgestellt, und sorgt für Furore. Der Erfolg im Unternehmensbereich Unterhaltungselektronik jedoch konnte die anderen Aktivitäten nicht kompensieren.

Noch einmal müssen die Gesellschafterverhältnisse neu geordnet werden.

 

1982

Am 1. Januar 1982 nehmen die Gesellschafter der John & Partner Vertriebsgesellschaft mbH die Geschicke der ELAC in die Hand und gründen die heutige ELAC.

Nach Jahren der relativen Ruhe wird die ELAC zu neuen Aktivitäten aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Mit dem versierten Mitarbeiterstab aus dem HiFi-Bereich geht es mit neuem Schwung voran. Ein Moving-Coil-Tonabnehmer-patent, vorgestellt im ELAC EMC 1-Tonabnehmer, knüpft an den Erfindergeist der Vergangenheit an.

Schlag auf Schlag folgen die Neuheiten bzw. Erfindungen.

Der Pioniergeist wie schon in den langen Jahren davor wird fortgesetzt.

1982 wird die erste Auslandsvertretung Bleuel Electronic AG (heute: Sennheiser Communications) wird für den Vertrieb von ELAC in der Schweiz autorisiert (s. www.sennheiser.ch/consumer-hi-fi)

 

1984

Mitte 1984 erweitern die Kieler ihr Produktionsprogramm um Lautsprecher. Die Lautsprecher-Firma AXIOM Elektroakustik GmbH aus dem Taunus wird in die Kieler ELAC integriert.


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2010

Artikel: KN, 2010 , ELAC stellt die Weichen neu, mit freundlicher Genehmigung von Jörn Genoux





 

2013

Ausblick des ehemaligen ELAC Geländes -> Wissenschaftspark



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